


Hannover, 9. Oktober 2026 – Rund 140 Gäste besuchten am Freitagabend den AfD-Stammtisch im Bürgerhaus Misburg. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen aus dem Niedersächsischen Landtag, die wirtschaftliche Situation Deutschlands, die Energie- und Agrarpolitik sowie die kommende Landtagswahl 2027. Neben den Redebeiträgen von Alfred Dannenberg und Klaus Wichmann bot die Veranstaltung Gelegenheit für zahlreiche Fragen und persönliche Gespräche.
Pünktlich um 18 Uhr eröffnete Frank Hellmold, stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Hannover, den Abend. Bereits eine Stunde zuvor hatten sich die Türen geöffnet, und der Veranstaltungsraum füllte sich zügig. Trotz regnerischen Wetters waren rund 140 Gäste gekommen. Gegendemonstrationen vor dem Bürgerhaus blieben diesmal aus.
Zum Einstieg berichtete Hellmold über die Diskussion um einen BMW-Leasingvertrag für den Landtag Sachsen-Anhalt, nachdem der Automobilhersteller sein Angebot für den Dienstwagen des Landtagspräsidenten Tobias Rausch (AfD) zurückgezogen hatte. Hellmold kritisierte den Vorgang und stellte ihn in einen politischen Zusammenhang. Bemerkenswert sei dabei auch die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens: BMW hatte im zweiten Quartal 2026 einen Rückgang seines Vorsteuerergebnisses um 35,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnet.
Alfred Dannenberg: Parlamentarische Anekdoten und die Herausforderungen der Landwirtschaft
Als erster Redner trat Alfred Dannenberg MdL, agrarpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion Niedersachsen, ans Rednerpult.
Mit einigen Anekdoten aus dem parlamentarischen Alltag berichtete er über die Arbeit im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Besonders ausführlich ging er auf die Beratungen über ein Verbot exotischer Zirkustiere ein.
Nach Dannenbergs Darstellung hatten Nachforschungen und telefonische Rückfragen ergeben, dass viele der ursprünglich angesprochenen Tierarten in deutschen Zirkussen längst keine praktische Rolle mehr spielten. Auch eine Anhörung im Landtag habe neue Erkenntnisse geliefert. Dennoch sei das Vorhaben nicht zurückgezogen, sondern später unter anderem um Vogelspinnen erweitert und schließlich mit rot-grüner Mehrheit beschlossen worden. Dannenberg kritisierte dies als Beispiel für eine Politik, die aus seiner Sicht zu wenig auf neue Erkenntnisse reagiere.
Anschließend erinnerte er an seine vielbeachtete Landtagsrede zur Erntebilanz im September 2023, die bereits wenige Tage nach ihrer Veröffentlichung mehr als eine Million Aufrufe auf YouTube erreicht hatte.
Damals hatte Dannenberg nach eigenen Angaben zahlreiche Landwirte in ganz Niedersachsen kontaktiert, um sich ein Bild von der tatsächlichen Erntesituation zu verschaffen. Dabei sei deutlich geworden, dass sich unterschiedliche Witterungsverhältnisse keineswegs auf alle landwirtschaftlichen Kulturen gleichermaßen auswirkten. Was für die eine Kultur ein Nachteil sei, könne für eine andere von Vorteil sein.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen war der Erhalt der heimischen Kulturlandschaft. „Wir sind für den Erhalt der Kulturlandschaft mit all ihren innewohnenden Kulturen“, betonte Dannenberg. Dabei verwies er auf die Bedeutung einer nachhaltigen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Böden. Diese müssten so gepflegt und genutzt werden, dass sie nicht nur heute, sondern auch in den kommenden Jahren ertragreich blieben. Nachhaltigkeit und wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft seien aus seiner Sicht keine Gegensätze, sondern gehörten untrennbar zusammen.
Zugleich verwies er auf die wirtschaftlichen Herausforderungen der Landwirtschaft: hohe Energie- und Betriebskosten, steigende bürokratische Anforderungen, Wettbewerbsdruck durch internationale Handelsabkommen wie Mercosur und die Bedeutung der Agrardieselrückvergütung. Als Beispiel für den Energiebedarf moderner Landwirtschaft führte er Maschinen an, die bei bestimmten Arbeiten rund 50 Liter Diesel pro Stunde verbrauchen können.
Dannenberg sprach sich dafür aus, die heimische Landwirtschaft stärker zu berücksichtigen und die Ernährungssouveränität Deutschlands langfristig zu sichern.
Klaus Wichmann: Heimat, politische Verantwortung und Vertrauen

Im Anschluss sprach Klaus Wichmann MdL, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag und Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl 2027.
Er eröffnete seinen Beitrag mit einer grundsätzlichen Frage: Wofür steht ein Politiker, unabhängig von Parteizugehörigkeit und Amt?
Dabei blickte er auf seine eigene Kindheit und Jugend in seiner Heimatstadt Hannover zurück. Er berichtete von seiner Schulzeit an einer Jungenschule und seinem späteren Studium. Anhand seiner persönlichen Erinnerungen erläuterte er, was Heimat für ihn bedeutet und wie sich die Stadt und das gesellschaftliche Zusammenleben im Laufe der Jahrzehnte verändert haben.
Heimatverbundenheit, Treue, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit bezeichnete er dabei als wesentliche Werte seines persönlichen und politischen Selbstverständnisses.
Danach wandte er sich Fragen der Inneren Sicherheit, der Meinungsfreiheit und des politischen Umgangs miteinander zu. Dabei thematisierte er unter anderem das strafrechtliche Prinzip der negativen Generalprävention, also die abschreckende Wirkung von Strafandrohungen.
Kritisch äußerte sich Wichmann zum besonderen strafrechtlichen Schutz von Politikern vor Beleidigungen nach § 188 StGB. Seiner Auffassung nach müssten Personen in politischen Führungspositionen auch deutliche Kritik aushalten können. Dies unterstrich er mit einem bekannten Sprichwort:
„Was juckt es die deutsche Eiche, wenn sich ein Borstenvieh an ihr reibt?“
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die bevorstehende Bundespräsidentenwahl 2027 waren Gegenstand seiner Ausführungen.
Mit einem Augenzwinkern verwies Wichmann auf eine Petition,
die den Entertainer Hape Kerkeling als künftigen Bundespräsidenten vorschlägt.
Ihm persönlich wäre, so seine scherzhafte Bemerkung, dessen Kunstfigur Horst Schlämmer noch lieber.
Energiepreise, internationale Konflikte und die Landtagswahl 2027
Ein weiterer Schwerpunkt von Wichmanns Rede war die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands.
Seine Kritik an der Energiepolitik fasste er in einer prägnanten Aussage zusammen:
„Günstige Energie bringt Wohlstand für fast alle, teure Energie schafft Armut für fast alle.“
Im Zusammenhang mit den internationalen Energiebeziehungen sprach er auch über den Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Wichmann plädierte dafür, diplomatische Gesprächskanäle wieder zu öffnen und Möglichkeiten für Verhandlungen auszuloten.
Ausführlich beschäftigte er sich zudem mit der Bedeutung von Vertrauen in der Politik. Vertrauen sei die entscheidende Währung politischen Handelns, erklärte er.
Den Vertrauensverlust gegenüber den etablierten Regierungsparteien führte er mit als Gründe für den Erfolg und die gestiegenen Umfragewerte seiner Partei an.
Mit Blick auf die Landtagswahl 2027 sprach Wichmann über die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung der AfD.
Seine Erwartungen an einen politischen Wechsel formulierte er mit den Worten:
„Es gibt eine Alternative. Dabei wird vielleicht nicht alles gut, aber vieles besser.“
Zum Abschluss seines Beitrags thematisierte er die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen, die Kriminalitätslage und die Migrations- und Sozialpolitik. Die Bundesregierung reagiere aus seiner Sicht nicht ausreichend auf die bestehenden Probleme.
Seine Vorstellungen einer veränderten Migrations- und Sozialpolitik brachte er schließlich mit der zugespitzten Botschaft an die Welt zum Ausdruck:
„Das Sozialamt Deutschland ist geschlossen.“
Anschließend bedankte sich Wichmann bei den Gästen für ihre Aufmerksamkeit und beendete seinen Redebeitrag.
Zahlreiche Fragen aus dem Publikum
Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Fragerunde, an der sich die anwesenden Politiker beteiligten.
Neben Alfred Dannenberg und Klaus Wichmann standen auch Jörn König MdB, Omid Najafi MdL und Frank Hellmold für Fragen zur Verfügung.
Jörn König war aufgrund eines vorherigen Redetermins und seiner anschließenden Bahnreise erst im späteren Verlauf des Abends eingetroffen. Auch die zahlreichen Baustellen im deutschen Schienennetz und die damit verbundenen Reisezeiten sorgten dabei für Gesprächsstoff.
Die Fragen aus dem Publikum deckten ein breites Spektrum politischer Themen ab. Diskutiert wurden unter anderem das Niedersächsische Jagdgesetz und der Umgang mit dem Wolf, Asylverfahren und Mehrfachidentitäten, Sozialleistungen, die Wasserstoffregulierung, Bürokratie, Wirtschaftskreisläufe, Wohnungsbau sowie parlamentarische Gesetzgebungsverfahren.
Alfred Dannenberg erläuterte auf Nachfrage die aus seiner Sicht bestehenden Probleme beim Wolfsmanagement und verwies auf eine Erfassung von mehr als 10.000 durch Wölfe gerissenen Tieren.
Besonders bemerkenswert war auch die Beteiligung einer Berufsschülerin, die Fragen zur politischen Neutralität und möglichen Einflussnahme im Schulunterricht stellte.
Omid Najafi beteiligte sich unter anderem an den Antworten zu wirtschaftspolitischen Fragen, Wasserstoff und Wohnungsbau.
Ein Abend mit zahlreichen politischen Themen
Die rund 140 Besucher erlebten einen Abend mit parlamentarischen Erfahrungsberichten, grundsätzlichen politischen Positionen, humorvollen Einlagen und einer umfangreichen Diskussion über aktuelle politische Fragen.
Der Stammtisch im Bürgerhaus Misburg bot damit erneut Gelegenheit zum direkten Austausch zwischen interessierten Bürgern sowie Abgeordneten aus dem Niedersächsischen Landtag und dem Deutschen Bundestag.



